Teatergrillen
Auf der Karte als “Steak tartar”
Französische Orthodoxie
Kapern, Cornichons, Zwiebel, Petersilie, Eigelb — der volle französische Katechismus, aufgesagt, wo Bergman seinen Tisch hatte.
Die Kritik
Teatergrillen macht sich seit 1945 fürs Abendessen fein — Tore Wretmans Speisesaal neben dem Dramaten, das Theaterinterieur von 1968 fast unberührt, Ingmar Bergmans Tisch noch an seinem Platz. Das Tatar passt zum Raum: der strengste klassische Aufbau Stockholms. Kapern, rohe Zwiebel, Cornichons, Petersilie, ein Eigelb wie im Scheinwerferlicht — kein Parmesan, kein Trüffel, kein modernes Zwinkern. Das ist Orthodoxie als Machtdemonstration, und während die Wagen durch einen Saal rollen, in dem noch am Tisch flambiert wird, schmeckt es nach Zeremonie. Rein auf dem Teller beurteilt ist es makellos statt aufregend — die neuere Schule presst mehr Kontrast aus demselben Fleisch. Aber nirgendwo sonst fühlt sich dieses Gericht so nach Theater an. Bitte entsprechend kleiden.
Nach fünf Kriterien beurteilt
- 01Der Schnitt
- 02Die Würzung
- 03Das Eigelb
- 04Die Beilagen
- 05Der Raum